Nicht nur ärgern, sondern aktiv werden

Foto: Jens Sethmann

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Um 14 Uhr luden Juliane Meißner und Ruta Vimba vom Kulturlabor Trial & Error zu einem Kiezputz außer der Reihe ein. Im Rahmen des vom Quartiersmanagement Harzer Straße geförderten Projekts „Idyll ohne Müll“ gibt es zwar regelmäßig monatliche Aufräumaktionen. Mit dem Sonder-Frühjahrsputz am 16. April schloss man sich aber auf Anregung einer Anwohnerin einer Aktion des Radiosenders rbb 88.8 an. „Nicht immer nur über den Müll ärgern, sondern selbst aktiv werden“ – so beschrieb die Anwohnerin ihre Motivation.

Frühjahrsputz im Harzer Kiez

Ausgerüstet mit Müllsäcken, Greifzangen, Handschuhen und orangenen „Kehrenbürger“-Westen der Berliner Stadtreinigung (BSR) zog eine Schar Freiwilliger vom Trusepark aus durch die Werra-, Ulster-, Treptower, Weser- und Roseggerstraße. Auch wenn das Aufsammeln abertausender Zigarettenkippen, Autoankauf-Kärtchen und Kronkorken mühsam ist, war die Stimmung unter den Sammelnden gut – auch dank der Musik vom begleitenden Lastenfahrrad. Hinter dem Bauzaun in der Weserstraße war viel Unrat leider unerreichbar. Ein Teppich und ein Waschbecken, die jemand in der Treptower Straße hinterlassen hat, wurden fotografiert und gleich an die Ordnungsamts-App gemeldet.

Von Vorbeikommenden gab es viel Zuspruch für die Müllsammelnden: „Schön, dass Sie das machen“, hieß es, oder nur: „Fleißig, fleißig!“ Mehrere wollten beim nächsten Mal selbst mitmachen. Am Trusepark gingen einige Eltern mit ihren Kindern auf Müllsammeltour rund um den Spielplatz. Mit den leuchtenden Warnwesten waren die Kleinen sichtlich stolz, eine so wichtige Aufgabe zu übernehmen. Nach drei Stunden kam ein großer Haufen gefüllter Müllsäcke zusammen.

Aktion trifft einen Nerv

Das Clean Up war Teil der Aktion „Zusammen ist besser – Berlin räumt auf“ von rbb 88.8. Mit Unterstützung der BSR und der Nachbarschaftsplattform nebenan.de wurden vom 14. bis zum 29. April 12 Putztage für 12 Bezirke ausgerufen. Am 16. April war Neukölln dran. Zwischen Reuterkiez und Rudow hatten sich insgesamt 19 Gruppen mit Putzaktionen angemeldet: Hausgemeinschaften, Nachbarschaftsinitiativen, Kita-Gruppen, Jugendclubs, Parteien und Privatpersonen. Im Harzer Kiez gibt es besonders viel engagierte Nachbar*innen, die etwas gegen den Müll tun möchten: Allein in der Stuttgarter Straße waren an diesem Tag noch zwei weitere Aufräumtrupps unterwegs.

Müllverursacher zur Verantwortung ziehen

Solche ehrenamtliche Aktionen sollen natürlich nicht die BSR aus der Verantwortung entlassen, die Straßen sauber zu halten, und die Müllverursachenden bleiben selbstverständlich in der Pflicht, ihren Abfall ordnungsgemäß zu entsorgen. „Niemand wird es schaffen, allein die ganze Stadt vom Müll zu befreien“, heißt es im Aufruf des Bezirksamtes zu „Berlin räumt auf“. „Aber alle zusammen können in der eigenen Straße, im eigenen Kiez, am Lieblingsort allein oder gemeinsam mit anderen mithelfen, dass dort kein Müll mehr liegt.“ 

Gleichzeitig beteiligte sich das Neuköllner Ordnungsamt an einer berlinweiten Aktionswoche gegen illegal abgestellten Sperrmüll. „Wir werden bestimmt einige Verursacher in flagranti erwischen“, erklärte Ordnungsstadtrat Gerrit Kringel. Er setzt auf die kürzlich erhöhten Bußgelder: „Ich erwarte, dass die Aktion und die hohen Strafen die Täter in Zukunft mehr abschrecken und wir nach und nach den Bezirk sauberer kriegen.“

Kiezputz an jedem letzten Sonntag

Wer die Aufräumaktion am 16. April verpasst hat, bekommt schon am Sonntag, den 26. April wieder die Gelegenheit, an einem Kiezputz teilzunehmen: Das Projekt „Idyll ohne Müll“ ruft bis Oktober an jedem letzten Sonntag im Monat zu einer Aufräumaktion auf. Treffpunkt ist immer um 11 Uhr an der Wildenbruchbrücke.

Webredaktion