Ein Fest für Leseratten, Bücherwürmer und solche, die es werden wollen
Schon zu Beginn war es ziemlich voll. Die Kinder, viele davon aus der Eduard-Mörike-Grundschule direkt gegenüber, konnten es kaum abwarten, mit der Jagd nach den Stempeln zu beginnen. Wer alle Stationen besuchte und kleine Aufgaben gelöst hatte, durfte sich am Stand des Berliner Büchertisches einen Comic und ein Buch aussuchen. Der gemeinnützige Verein war mit einer umgebauten Ape angerückt. Das ist ein Kleintransporter, auch italienische Biene genannt. In einer Art Vitrine waren Kinder- und Jugendbücher ausgestellt.
Lesemuffel? Das war einmal!
Aber was hat ein Lesefest mit Städtebauförderung zu tun? Am 9. Mai wird nämlich bundesweit der Tag der Städtebauförderung gefeiert und die Veranstaltung auf dem Hertzbergplatz gehörte zum offiziellen Programm. „Wir investieren in die Nachbarschaft“, erklärten Vanessa Machowetz und Jan Hanka vom Quartiersmanagement-Team. „Lesen öffnet Türen und ist die Eintrittskarte zu 1000 Abenteuern“, sagte Vanessa. Mit Städtebaufördermitteln aus dem Programm Sozialer Zusammenhalt war 2023 das Projekt „Lesen macht Spaß -Stärkung der Lesekompetenz an der Eduard-Mörike-Schule“ gestartet. Das Projekt in Trägerschaft von Lebenswelt gGmbH hatte das Fest auch organisiert und viele weitere Partner*innen aus der Nachbarschaft gewonnen. Svenja Claussen, Leiterin der Schulbibliothek, hat es geschafft, dass selbst Kinder, in deren Zuhause gar nicht gelesen wird, nun sehnsüchtig auf die Öffnung der Schulbücherei warten. „Ich bin sehr froh, dass wir die Schulbibliothek haben“, erklärte der Schulleiter Robert Gericke. „Wir würden das gerne nach draußen tragen und im Sommer ein paar Tische und Stühle rausstellen“, erkärte der Schulleiter: „Ich würde mich freuen, das Lesen mit Menschen im Kiez zu teilen.“
Märchen zum Anfassen und Traumcollagen
Das Lesefest bewies eindrücklich, dass die Welt der Bücher alles andere als langweilig ist. So konnten die Jungen und Mädchen mit den ehrenamtlichen Lespat*innen der Eduard-Mörike-Schule Monster-Lesezeichen basteln oder sich im Nomadenzelt der Stadtteilmütter Märchen in verschiedenen Sprachen vorlesen lassen. Im Angebot waren rumänisch, deutsch, türkisch und arabisch. Mit der Jugendkunstschule Neukölln konnte ein Leporello-Faltbuch gebastelt werden. Für die kleineren Kinder war das gar nicht so einfach. Das QM-Team hatte seine Fühlboxen mitgebracht. Es galt, Gegenstände zu erraten, die in Märchen vorkommen. „Ist das ein Ei?“ fragte ein Mädchen schüchtern. „Genau“! Lobte Vanessa. Eier spielen, ebenso wie Kronen, in vielen Märchen eine Rolle. Am Stand nebendran wurde zusammen mit Studierenden der Hertzbergplatz der Zukunft entworfen. Das Uni-Projekt sammelte Ideen zur geplanten Umgestaltung des Platzes. Aus den Bildern, die die Kinder malten, entstand eine Traumcollage.
Und weil körperliche Aktivität der beste Muntermacher für den Geist ist, konnten sich die Kinder beim Lesefest auch körperlich betätigen. „Bei uns muss man sich bewegen“, bekräftigte Mike von von bwgt. e.V., dem Träger des QM-Projekts „Harzer Kiez in Bewegung“. Ob Federball, Frisbee, Seilspringen oder – besonders beliebt – Klebeball: den begehrten Stempel gab's nur mit Sport.
Am Schluss des Nachmittags gingen alle glücklich mit einem Comic und einem Buch nach Hause.
















