Kinder- und Jugendgewalt früh vorbeugen

Fotos: Jens Sethmann

Der Quartiersrat traf sich am 20. Mai in der Global Music Academy. Die private Musikschule ist vor fünf Jahren als Untermieterin der Guttempler in die Wildenbruchstraße 80 gezogen. In den sechs Unterrichts- und Proberäumen lernen 200 überwiegend erwachsene Schülerinnen und Schüler Instrumente aus den verschiedensten Kulturkreisen. Die Global Music Academy macht auch Projekte mit den Musik-AGs der Elbe-Grundschule und beteiligt sich an vielen Veranstaltungen im Harzer Kiez.

Ansturm im Kiezladen

Zunächst warf der Quartiersrat einen Blick auf ein gerade angelaufenes Projekt und ein auslaufendes Projekt. Der Harzer Kiezladen an der Ecke Harzer/Treptower Straße hat Ende letzten Jahres seine Tür geöffnet. „Es soll ein Ort sein, an dem Menschen unkompliziert vorbeikommen können“, erklärte der Projektleiter Dima Krasin von den Johannitern, dem Träger des Kiezladens. Das ist gleich nach der Eröffnung voll aufgegangen. „Fast alle Angebote werden gut angenommen, die für Kinder noch besser“, berichtete Dima Krasin. Von Montag bis Freitag ist jeden Nachmittag volles Programm: von Deutschkursen für alleinerziehende Mütter und verschiedenen Beratungsangeboten über Mal- und Spielenachmittage sowie gemeinsames Kochen für Jungs und Mädchen bis zu Filmabenden für die Generation U12 mit selbstgemachtem Popcorn. 

„Die größte Gruppe der Menschen, die zu uns kommen, sind die Kinder aus der direkten Nachbarschaft“, sagte Dima Krasin. Mit dem großen Ansturm der Kinder hatte er anfangs nicht gerechnet. Aber das Team hat das Programm schnell danach ausgerichtet. „Unsere Angebote wollen wir noch weiterentwickeln“, kündigte der Projektleiter an. Unter anderem sind ein Nähworkshop und eine Senioren-Theatergruppe geplant. „Wir sind sehr glücklich mit dem Projekt“, sagte Quartiersmanagerin Sarah König. „Das ist ein Ankerort, der für die Nachbarschaft offen und sehr wichtig ist.“

Schulbibliothek und Lesefest bleiben

Das Projekt „Lesen macht Spaß“ an der Eduard-Mörike-Schule läuft Ende Juni nach drei Jahren aus. Mit den Projektgeldern wurde für die Grundschule eine eigene Bibliothek finanziert. Außerdem wurde in diesem und im letzten Jahr ein Lesefest auf dem Hertzbergplatz gefeiert. „Die Schulbibliothek bleibt der Schule erhalten“, erklärte Quartiersmanagerin Vanessa Machowetz. „Und wir wollen auch im nächsten Jahr wieder das Lesefest ermöglichen.“

Entscheidung über das Bildungsprojekt

Welches Bildungsprojekt soll 2027 im Harzer Kiez starten? Darüber mussten die Quartiersratsmitglieder eine Entscheidung treffen. In der letzten Sitzung hatten sie in einer Projektwerkstatt zwei von vier Ideen in die engere Auswahl genommen. Das Quartiersmanagement hat diese beiden Projektideen nun genauer ausformuliert und zur Diskussion gestellt. 

Der Gewalt unter Kindern und Jugendlichen möglichst früh vorzubeugen, ist das Ziel des Projektvorschlags „Dampf ablassen“. Es soll in den Grundschulalltag eingebunden sein und und durch Bewegungs- und Sportangebote den Kindern ermöglichen, einerseits Aggressionen abzubauen, andererseits dabei aber auch Regeln, Fairplay und Respekt einzuüben. Dabei könnte auch die Schulung der Kinder zu Konfliktlotsinnen und -lotsen ausgebaut werden. Geschlechterrollenbilder müssten zudem hinterfragt werden.

Die zweite Projektidee mit dem Titel „Brücken bauen“ will Eltern unterstützen, sodass sie sich in den Kita- und Schulalltag ihrer Kinder einbringen können. Dazu würden zwei Personen als feste Elternbegleitung eingesetzt werden. „Die Eltern sollen so gestärkt werden, dass sie die Schullaufbahn ihrer Kinder gut begleiten können“, fasste Vanessa Machowetz zusammen. 

„Dampf ablassen“ vor „Brücken bauen“

„In unseren Gesprächen mit den Bildungseinrichtungen ist herausgekommen, dass beides total wichtig ist“, berichtete die Quartiersmanagerin. Nach der Diskussion über die Ideen fiel die Entscheidung des Quartiersrates jedoch recht deutlich mit 11 : 3 Stimmen zugunsten der Gewaltprävention. Die Ratsmitglieder regten aber an, dabei nicht nur mit Sport zu arbeiten, sondern auch mit Kultur - oder Theaterangeboten auf die Kinder zuzugehen. Das Quartiersmanagement bereitet nun eine Ausschreibung vor, mit der ein Träger für das Projekt gesucht wird. Das Projekt zur Elternbegleitung ist damit nicht für alle Zeiten gestorben. Es könnte in einem späteren Programmjahr wieder aufgegriffen werden.

12 aus 41

Bei frischer Pizza stand am Ende der Sitzung noch eine weitere Auswahl an: Aus den 41 Bildern, die aus der Nachbarschaft zum Foto-Wettbewerb für den Kiezkalender 2027 eingereicht wurden, galt es, die 12 besten Fotos für den Harzer Kiezkalender 2027 zusammenzustellen. Alle Anwesenden haben die ausgehängten Bilder mit je sechs Klebepunkten bewertet. Aber die Abstimmung ist noch nicht beendet: Auch auf dem Fest zum Tag der Nachbarschaft am 29.05.26 auf dem Wildenbruchplatz kann von allen Anwesenden abgestimmt werden. Das Ergebnis könnt ihr euch zum neuen Jahr an die Wand hängen.

Webredaktion