Ein Raum voller Möglichkeiten

Bildnachweis: Meydan Kollektiv

Das Wort majal wird im Arabischen, Armenischen, Persischen und Urdu benutzt und lässt sich nicht direkt ins Deutsche übersetzen. Je nach Kontext bedeutet es so etwas wie Raum für Austausch und Bewegung oder Handlungsspielraum. Und genau darum geht es: einander begegnen, Geschichten teilen, gemeinsam kreativ sein und Gemeinschaft aufbauen. „Es ist ein Treffpunkt, wo Menschen zusammenkommen können“, sagen Ali, Fla, Mouna und Hoda. Das vierköpfige Kollektiv betreibt das Projekt gemeinsam und hat dafür den Verein Meydan gegründet. Die Eröffnung am 16. Juli wurde groß gefeiert, mit Live-Musik, Tanz und Storytelling.

Der Bedarf ist da

Doch wie kam es überhaupt dazu, ein solches Projekt zu starten - ganz ohne institutionelle Förderung? „Wir erleben täglich, dass selbstorganisierte, konsumfreie Räume durch die Gentrifizierung verschwinden und das Leben immer teurer wird“, sagt Mouna. Die Idee war, einen Ort für Kultur, Gemeinschaft, Solidarität und gegenseitige Fürsorge zu schaffen. Die vier arbeiten schon lange in verschiedenen anti-rassistischen und queer-feministischen Projekten und sind gut vernetzt. Als sie von dem freiwerdenden Raum in der Sonnenallee hörten, griffen sie zu. Ein mutiger Schritt, denn die Miete muss Monat für Monat durch Fördermitgliedschaften und Spenden zusammenkommen. „Wir waren am Anfang schon etwas nervös, aber dann haben wir gleich so viele Anfragen bekommen, dass wir bestätigt wurden: der Bedarf ist da“, sagt Fla. Zusätzliche Einnahmen erhoffen sie sich vom Café, das demnächst eröffnen soll – mit günstigen Preisen und ohne Konsumzwang, wie die vier betonen: „Man kann auch einfach hier sitzen, lesen, zur Ruhe kommen oder am Laptop arbeiten.“ Auch Gruppen und Initiativen können sich hier treffen. Außerdem ist eine Bibliothek mit Büchern in verschiedenen Sprachen zu Rassismus, Feminismus und Antikolonialismus im Aufbau.

Armenische Musik, queere Filme und Küfa

Der großzügige Raum, in dem vorher ein Restaurant war, gehört zur Wohnanlage der Genossenschaft Wohnungsbau-Verein Neukölln. Er bietet genug Platz für Veranstaltungen aller Art. So fanden bereits Filmabende, Workshops und Diskussionsrunden statt. Vor dem CSD-Wochenende wurde „Pride“ gezeigt, eine britische Komödie, bei der sich streikende Bergarbeiter und queere Aktivist*innen zusammenschließen. Anschließend gab’s Küfa – Küche für alle. Ein armenisches Kollektiv veranstaltet monatlich einen Abend mit Musik und Tanz und im August wurden, begleitet von einer Ausstellung, Geschichten des Widerstands aus Afghanistan erzählt. Auch Lesungen, Workshops, Podcasts und vieles mehr können hier stattfinden – je nachdem, was die Menschen ins majal hineintragen. „Wir sind noch in der Findungsphase“, erklären die vier. „Mit einem Programm für die nächsten zwölf Monate können wir nicht dienen“, sagen sie lachend. Als festes Angebot gibt es jeden Donnerstag einen Spielabend und das Community-Event majlis („zusammenkommen“). „Beides wurde sehr gut angenommen“, erzählen sie.

Weitere Ideen aus der Nachbarschaft sind ausdrücklich erwünscht. Wer beispielsweise anderen Yoga beibringen, einen Comic-Workshop anbieten oder die Räume für Veranstaltungen verschiedener Art nutzen möchte, kann sich gerne melden.

Abgesehen von den Veranstaltungen ist majal derzeit jeden Donnerstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

E-Mail für Anfragen: meydan-kollektiv@systemli.org